Triablos-Hunters
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dreamers (ganze story)

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dreamers (ganze story)

Beitrag  Hatsuharu am Sa Sep 26, 2009 3:47 pm

Träume…

Für gewöhnlich sind sie harmlos…

abenteuerlich…

oder gar hilfreich…

Jeder von uns hat Träume…

Wir alle träumen und empfinden

Träume als etwas Schönes und angenehmes,

sofern es sich nicht um Albträume handelt.

Doch was passiert,

Wenn Träume plötzlich real werden?

Wenn man nicht mehr aus seinem Traum erwachen kann?

Wenn der eigene Traum… zur Gefahr wird?

Was wird dann passieren?

Wer soll helfen?

Wird man für immer in diesem Traum gefangen sein?

Oder gibt es einen Weg sich zu befreien

und in die Wirklichkeit

einzukehren?






Weißer Schnee fällt sanft auf das Grabmal mit der Aufschrift:

“Alle die dich lieben

werden dich in ihren Herzen bewahren.

Ruhe in Frieden, Eric.”

Ruhe in Frieden… Lucy atmete die kalte Winterluft ein. Er wird nicht ruhen, dachte sie im Stillen. Eric ist von nun an ein Todesengel. Er wird nicht ruhen, noch nicht…

Das Mädchen drehte sich um und verließ den Friedhof. Ein Jahr war nun seit dem Ereignis in der Unterwelt und Erics Tod vergangen. Von Samiel fehlt noch immer jede Spur. Aber selbst wenn er plötzlich wieder auftauchen würde… würde sie ihn denn sehen können? Aber warum sollte er überhaupt noch auftauchen? Es gab keinen Grund für ihn. Erics Seele war frei. Auch wenn es nicht die Art von Freiheit ist, die er verdient hätte.

Langsam schritt Lucy durch den Park. Es wurde bereits dunkel, aber sie wollte noch nicht nach Hause. Die Träume der letzten Nächte beschäftigten sie. Doch diesmal war es anders als beim letzten Mal. Auch diesmal wiederholten sich die Träume jede Nacht. Jedoch gab es Unterschiede zu ihren Träumen von dem Todesengel Samiel: Sie waren nun länger und intensiver. Fast so, als würde sie in eine andere Welt eindringen. Mit jeder Nacht fiel es ihr schwerer aus diesen Träumen zu erwachen. Selbst der Wecker konnte ihr kaum noch helfen. Heute war sie schon zum dritten Mal in Folge zu spät zum Unterricht gekommen, weil sie verschlafen hatte.

Als die Sonne gänzlich hinter dem Horizont verschwunden war, ging Lucy schließlich nach Hause. Dort fragten ihre Eltern, wo sie so lange gewesen sei. Doch sie ging stumm auf ihr Zimmer, schloss die Tür hinter sich und lehnte sich an diese an. Sie konnte hören, wie sich ihre Eltern stritten. Seit Wochen ging es nun schon so. Immer gab der eine dem anderen die Schuld daran, dass es ihr, Lucy, so schlecht ging.

Seufzend ging sie zu ihrem Bett, schaltete die Nachttischlampe an und zog sich ihren Schlafanzug an. Dann hörte sie, wie jemand an ihre Tür klopfte und hörte die besorgte Stimme ihres Vaters: “Lucy? Darf ich reinkommen?”

Lucy schlüpfte unter die Decke und nahm ein Buch von ihrem Nachttisch.

“Komm ruhig rein, Papa.”, sagte sie.

Vorsichtig öffnete der Mann die Tür und trat ein. Lucy versuchte sich auf das Buch zu konzentrieren. Leise schloss ihr Vater die Tür und setzte sich auf die Bettkante.

“Lucy…”, flüsterte er.

“Warum hast du dich mit Mama wieder gestritten?”, fragte sie ihn grimmig, ohne den Blick von dem Buch abzuwenden.

Ihr Vater atmete tief durch. Er suchte nach Worten.

“Hör mal, Liebling… deine Mutter und ich, wir… kennen uns schon so lange und… also… irgendwann… lebt man sich auseinander…”

Lucy sah zu ihm auf, schloss mit beiden Händen das Buch und legte es zurück auf den Nachttisch.

“Auseinanderleben!”, rief sie und ihre Stimme klang hysterisch. “Was soll das heißen? Du liebst sie doch, oder?”

Ihr Vater sah etwas unsicher zu Boden. “Natürlich…”, stotterte er. “Aber… deine Mutter… sie…”

Er sah traurig zu seiner Tochter und strich ihr über den Kopf. Sie erwiderte seinen Blick und schluchzte.

“Es tut mir Leid, Lucy. Aber so kann es nicht weitergehen. Deine Mutter will mich nicht mehr bei sich haben.”

Lucy schlug beide Hände vor das Gesicht und schluchzte noch heftiger. Ihr Vater umarmte sie tröstend. “Ich weiß, dass es schwer für dich ist.”, sagte er. “Aber so ist es nun mal im Leben. Menschen kommen und gehen. Ob es sich nun um Freunde, Familie… oder um eine andere wichtige Person im Leben handelt.”

Er löste die Umarmung und wischte Lucy die Tränen aus den Augen.

“Nun wein doch nicht. Wir bleiben in Kontakt, wenn du es dir wünschst.” Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn, stand auf und ging. Lucy sah ihrem Vater traurig hinterher. Morgen würde sie ihn nicht mehr beim Frühstück sehen. Er würde ihr kein “Guten Morgen” mehr wünschen und auch nicht mehr sagen: “Viel Spaß in der Schule” oder später fragen “Wie war dein Tag?”. Ihre Mutter würde es bestimmt nicht erlauben ihn zu besuchen.

Als es bereits Schlafenszeit war und die Nachttischlampe ausgeschaltet war, saß Lucy noch immer aufrecht in ihrem Bett. Sie traute sich nicht einzuschlafen. Sie musste wach bleiben. Denn sonst würde sie vermutlich erst nach vielen Stunden, Tagen… oder vielleicht auch nie wieder mehr aufwachen.

Lucy versuchte also wach zubleiben. Sie musste sich ablenken und am besten gelang es ihr in einem Gespräch. Nur konnte sie leider weder Luzifer noch Gabriel sehen. Und ihre Mutter schlief sicher bereits. Und selbst wenn ihr Schutzengel und ihr Todesengel anwesend waren und über sie wachten. Sie konnte die beiden nicht sehen und auch nicht hören. Es wäre also mehr ein Selbstgespräch. Aber es half alles nichts. Sie wollte zumindest für diese Nacht wach bleiben. Vielleicht würde es Morgen ja anders sein?

Lucy nahm ihr Kruzifix und drückte es fest an sich.

“Warum… Großvater…”, flüsterte sie. “Warum müssen wir alle eines Tages gehen? Warum können wir nicht bleiben? Warum kann alles nicht so bleiben wie es gerade ist? Warum bist du nicht hier, Großvater? Du wüsstest bestimmt, wie sich Mama und Papa wieder vertragen könnten.”


Luzifer saß auf dem Dach und betrachtete den dunklen Himmel. Gabriel stand nur wenige Meter von ihm entfernt.

“Sie ist verzweifelt.”, sagte der Schutzengel.

Luzifer nickte. “Ich habe ein merkwürdiges Gefühl, was Lucy angeht. Sie wirkt in letzter Zeit so… abwesend…”

Gabriel sah ihn an. “Stimmt… es ist fast so, als wäre ihr Geist… ihre Seele nicht hier. Zumindest teilweise. Als wäre sie in einer anderen Welt, oder so…”

Der Todesengel stand auf und erwiderte den Blick des anderen.

“Das gefällt mir nicht, Gabriel. Irgendetwas stimmt nicht mit diesem Mädchen.”

Gabriel winkte ab. “Natürlich. Was denkst du denn? Ihre Eltern haben sich nun doch getrennt. Das macht ihr sehr zu schaffen. Das ist doch völlig normal.”

“Mag ja sein, aber…”

“Mach einen Abgang, Todesengel!”, unterbrach ihn Gabriel. “Es ist meine Aufgabe, Lucy zu beschützen. Ich werde auf sie aufpassen. Du hast jetzt nichts zu vermelden. Denn solange Lucy noch lebt, liegt ihr Wohlsein in meinen Händen.”

Luzifer öffnete den Mund. Er wollte etwas erwidern, aber ihm fiel nichts ein. Also breitete er seine Flügel aus und flog davon. Gabriel entging die Enttäuschung, die sich in Luzifers Augen widergespiegelt hatte, nicht. Er lächelte kopfschüttelnd und ließ seinen Blick über die Stadt schweifen.

Gestern Abend hatte sie ihren Mann aus der Wohnung geworfen. Und das nur wegen eines dummen Streits. Sie hatte ihn beschuldigt, er würde sich nicht genug um Lucy kümmern und deswegen sei das Mädchen in letzter Zeit so durch den Wind.

Tatsächlich war Lucy in den letzten Tagen unheimlich nervös geworden. Sie wirkte verwirrt und etwas verschlafen.

Lucys Mutter machte sich Sorgen. Sie sah auf die Uhr. In zehn Minuten ist Unterricht und Lucy war immer noch im Bett und schlief. Sie hatte bereits mehrmals versucht ihre Tochter zu wecken, aber es gelang ihr nicht. Also griff sie nun zum Telefon und wählte die Nummer ihres Hausarztes. Diesen bat sie so schnell wie möglich zu kommen.

Nach etwa zwei Stunden kam der Hausarzt endlich und fand eine verzweifelte Hausfrau vor, deren Tochter Lucy sich im Tiefschlaf befindet und nicht mehr aufwacht.

Der Arzt untersuchte das Mädchen gründlich, konnte aber, außer ihrem sehr tiefen Schlaf, nichts Ungewöhnliches feststellen.

“Der Zustand ihrer Tochter ist vollkommen stabil. Sie schläft nur. Vielleicht ist sie einfach nur übermüdet. War gestern etwas Aufregendes passiert? Vielleicht könnte dies ja der Grund für ihre Müdigkeit sein.”

Nachdem der Arzt die aufgeregte Frau wieder beruhigen konnte, verließ er die Wohnung. Lucys Mutter war nun etwas entspannter.


Gabriel stand neben Lucys Bett und sah das schlafende Mädchen besorgt an. Etwas stimmt hier nicht, dachte er bei sich. Ich kann ihren Geist nicht spüren. Es ist, als ob sie sich nicht mehr in dieser Welt befände. Und es ist völlig unmöglich sie aufzuwecken. Was geht hier nur vor sich?

Plötzlich öffnete sich das Fenster und Luzifer schwebte in Lucys Zimmer herein. Er wirkte aufgeregt.

“Ga… Gabriel! Es ist… schrecklich! Ich bin verzweifelt, Gabriel! Ich weiß wirklich nicht wie das geschehen konnte. Glaub mir, ich kann nichts dafür. Ich hab überhaupt nichts gemacht. Ich bin unschuldig!”

Gabriel versuchte den Todesengel zu beruhigen und legte ihm die Hände auf die Schultern. Dabei bemerkte er, wie angespannt Luzifer war.

“Immer langsam, Luzifer. Atme tief durch und erzähl mir in aller Ruhe, was passiert ist.”

Luzifer holte Lucys Sanduhr hervor und zeigte sie dem Schutzengel. Diesem blieb fast das Herz stehen.

“Das kann nicht wahr sein. Wie konnte das nur passieren?”

Der Sand hatte aufgehört zu fließen.

“Ich habe es gerade eben erst bemerkt.”, erklärte Luzifer ernst.

“Die Sanduhr des Lebens misst die Zeit, die verstreicht, bis die Seele den Körper verlässt. Lucy ist noch am Leben, aber ihr Geist befindet sich anscheinend in einer anderen Welt. Das bedeutet, dass es für mich nun unmöglich ist, ihre Lebenszeit zu messen.”

Gabriel sah zu Lucy. “Dann sollten wir uns was einfallen lassen. Wenn sie nicht aufwacht, verhungert sie. Sie kann ja schlecht Nahrung zu sich nehmen, während sie schläft.”

Der Todesengel nickte. Er hatte jedoch keine Ahnung, wie sie Lucy zurückholen sollten. Und selbst wenn sie wüssten, wie sie Lucys Geist zurückholen könnten. So wussten sie dennoch nicht, in welche Welt es ihren Geist verschlagen hatte.

“Und wenn wir den Verantwortlichen zur Rede stellen?”, schlug Luzifer vor. “Vielleicht steckt ja Samiel hinter diesem Unfug.”

“Das sind doch bloße Vermutungen.”, entgegnete der Schutzengel. “Außerdem wissen wir doch gar nicht, wo Samiel sich zurzeit aufhält. Dieser Gauner könnte im Moment überall sein.”

Luzifer ignorierte seine Worte und trat zum Fenster. “Du bleibst hier. Ich werde versuchen Samiel zu finden.”

“Luzifer, das ist doch Unsinn! Wie willst du ihn denn bitte finden?”

Der Todesengel erwiderte nichts und flog davon. “Wie kann man nur so stur sein.”, murmelte Gabriel vor sich hin. “Und das alles nur wegen diesem Kind.”


Luzifer flog aus der Stadt heraus und landete irgendwo auf den Feldern. Er nah seine Sense und malte einen Kreis in den Boden. Dort schrieb er noch etwas hinein und ging schließlich einen Schritt zurück. Dann hob er mit beiden Händen seine Sense hoch und murmelte eine Beschwörungsformel. Aus dem Kreis strömte nun ein helles Licht heraus und breitete sich binnen weniger Sekunden aus. Als das Licht wieder verschwunden war stand Luzifer Mephisto gegenüber.

“Oh. Und ich hatte angenommen, nur Dummköpfe würden einen Geist wie mich herbei beschwören. Aber jetzt stelle ich fest, dass ich nun mit jemand Besonderem das Vergnügen habe.”

Mephisto grinste hämisch und verbeugte sich, wenn auch etwas übertrieben. “Es ist mir eine Freude, Euch meine Dienste anbieten zu dürfen, euer Hochwohlgeboren.”

Luzifer sah ihn nur wütend an. “Das Vergnügen liegt ganz auf meiner Seite, Mephisto.”, sagte er ernst. “Jedoch muss ich dich daran erinnern, dass meine Zeit als Prinz schon lange vorbei ist.”

“Ihr hättet sogar König werden können”, erwiderte Mephisto verärgert. “Aber stattdessen seid ihr dem Licht gefolgt. Doch wie Ihr seht, hat es Euch nicht viel gebracht. Aus Euch ist ein Todesengel geworden. Ganz gleich wie viel Macht Ihr besitzt und wie viel Gutes Ihr zu tun vermagt. Ein Todesengel hat dennoch keine Zukunft.”

“Das sehe ich aber anders.”, grinste Luzifer. Mephisto sah ihn überrascht an. “Wie meint Ihr das, Hoheit?”

“Es stimmt schon, dass Todesengel von Anfang an verdammt sind. Aber ich habe meine Pläne. Und diese werde ich auch umsetzen.” Luzifers Grinsen wurde etwas breiter. “Und der Schlüssel für meine Zukunft…”

Er hielt inne und sah Mephistos verwirrten Blick. Es machte ihm Spaß zu sehen wie seine Worte wirkten. Er war schon immer ein guter Redner. Das hatten auch etwas mit seinem Stand zutun.

Mephisto wurde langsam ungeduldig. “Was denn nun? Was ist der Schlüssel für Eure Zukunft? Sagt es mir! Ich will es wissen.”

“Ich sage es dir. Aber nur unter einer Bedingung.”


Gabriel wartete bereits seit Stunden. Er hatte keine Hoffnung, dass Luzifer Samiel finden könnte. Dennoch wurde er ungeduldig. Aber der Grund für seine Ungeduld war nicht Luzifers Suche nach Samiel. Es war ihm egal, ob der Todesengel Samiel finden würde oder nicht. Er konnte es einfach nur nicht ertragen Luzifer aus den Augen zu lassen. Gabriel misstraute ihm. Aber das war normal. Todesengeln konnte man nie vertrauen, denn sie waren immer auf ihre eigenen Vorteile bedacht. Sie waren Einzelgänger, die sich nie um das Wohlsein anderer scherten und lieber unabhängig waren, um niemanden zu dienen. Todesengel waren ihr eigener Herr und sie pfeiften auf Regeln und Gesetze. Ein passendes Beispiel dafür war Samiel.

Gabriel sah zu Lucy. Sie atmete ruhig. Plötzlich öffnete sich die Tür und Lucys Mutter kam rein. Sie setzte sich neben die Schlafende aufs Bett und versuchte sie zu wecken.

“Schatz, nun wach doch endlich auf. Es ist bereits Mittag.”

Aber Lucy ließ sich nicht wecken, selbst als ihre Mutter etwas stärker an ihr rüttelte. Lucy schlief, ohne eine Reaktion von sich zu geben, weiter.

Die Mutter verließ seufzend das Zimmer.

Das sieht gar nicht gut aus, stellte Gabriel fest. Lucy lässt sich nicht wecken. Der Schutzengel blickte zum Fenster raus. Es ist hoffnungslos, dachte er besorgt.


Mephisto sah Luzifer neugierig an. “Ich soll Euch sagen, wo sich Samiel aufhält? Aber warum möchtet Ihr das denn wissen?”

“Ich hege die Vermutung, dass Samiel etwas vorhat.”, antwortete der Todesengel. “Es geht um Lucy”

“Um diese Nervensäge?”, fragte Mephisto.

Luzifer hielt ihm, mit einer blitzschnellen Bewegung, die Sense gegen die Kehle. “Rede nie wieder so über Lucy, hast du mich verstanden? Oder du darfst dich von der Welt verabschieden, Mephisto.”, flüsterte er drohend. “Ist ja gut. Nur keine Aufregung.”, sagte Mephisto kühl und schob mit einer Hand die Sense beiseite. “Aber Ihr wisst, dass meine Dienste auch ihren Preis haben.”

Luzifer dachte kurz nach. Er wusste nicht, was er Mephisto geben könnte. “Was verlangst du von mir?”, fragte er dann.

Mephisto lächelte vergnügt. “Ich mache einen Vorschlag: Ihr nennt mir den Schlüssel für Eure Zukunft und ich erzähle Euch von Samiels Plan.”

Luzifer willigte ein und Mephisto holte den Vertrag hervor.

“Dass du selbst solche Kleinigkeiten per Vertrag festhalten musst…”, brummte der Todesengel.

“So bin ich nun mal. Ich liebe vertragspflichtige Geschäfte. Aber keine Sorge. Dieses Gespräch bleibt unter uns.”

Luzifer unterzeichnete den Vertrag. “Lucy.”, sagte er dann.

“Wie bitte?” Mephisto war nicht ganz mitgekommen. “Was ist mit dieser Nerv… mit diesem Mädchen?”

Der Todesengel breitete seine Schwingen aus und sah Mephisto selbstsicher an.
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Re: dreamers (ganze story)

Beitrag  Hatsuharu am Sa Sep 26, 2009 3:48 pm

Kapitel 2
Als Lucy ihre Augen öffnete, erschrak sie. Oh nein, dachte sie aufgeregt. Ich bin eingeschlafen.

Zitternd setzte sie sich auf. Sie war aber nicht in ihrem Zimmer, sondern in dem Schlafgemach eines Schlosses. Neben dem Bett, in dem sie lag, standen zwei Jungen. Lucy kannte sie bereits aus den vorherigen Träumen. Der eine sah genauso aus wie der andere. Zwillinge waren sie allerdings nicht. Es war eigentlich nur eine Person, deren Geist aber in eine helle und eine dunkle Seite geteilt wurde. Anders ausgedrückt: das eine “Ich” war mit dem anderen “Ich” nicht mehr im Einklang. Würden beide dieselbe Kleidung tragen, könnte man sie nicht auseinanderhalten. Dumm war nur, dass die dunkle Seite des Jungen stärker war und somit den dominanten Teil übernahm. Die helle Seite hatte nichts zu melden und begleitete die dunkle Seite, die sich selbst “Dark” nannte, oft still und mit ausdruckslosem Blick.

“Es freut mich, dass Ihr erwacht seid, Prinzessin Lucy.”, sagte Dark und verbeugte sich. Lucy kam es vor, als hätte sie diesen Jungen mit den schwarzen Haaren und dem stechendem Blick schon mal gesehen. Aber es wollte ihr einfach nicht einfallen, wo sie ihn gesehen hatte.

Lucy stand auf. Sie hatte ihren Schlafanzug auch in der Traumwelt an.

“Erwacht? Das bezweifle ich. Ich schlafe nämlich und das alles hier ist nur ein Traum.”, sagte sie leicht genervt. “Warum tust du das, Dark? Welchen Grund hast du, mich hierher zu entführen?”

“Ich habe Euch nicht entführt, Prinzessin. Es ist eine andere Kraft, die Euch hier gefangen hält.”

Lucy fühlte sich unwohl. “Bedeutet das, dass du mich nicht zurückbringen kannst?”

Dark schüttelte den Kopf. “Ich bin untröstlich, Prinzessin. Ich wünschte, ich könnte Euch helfen.” Er ging auf Lucy zu und schloss sie in seine Arme. Lucy war überrascht über diese Aktion und auch darüber, dass Dark sehr freundlich war, obwohl er die “dunkle Seite” repräsentierte. Aber vielleicht bedeutete dunkel ja nicht gleich böse. Hell und dunkel konnten noch andere Eigenschaften des Menschen symbolisieren. Dark, zum Beispiel, war nicht böse im eigentlichen Sinne. Er hatte aber, was Lucy anging, einen sehr aufdringlichen und vor allem einen Besitz ergreifenden Charakter. Seiner hellen Seite gegenüber war er kalt und versuchte sie so oft es nur ging ins schlechte Licht zu stellen.

Lucy konnte im Moment nichts anderes tun, als sich ihrem Schicksal zu fügen. Sie konnte nur abwarten.

Wer sollte mich nur in einer Traumwelt festhalten wollen, dachte sie und ließ sich von Dark in den Schlossgarten führen. Darks anderes “Ich”, welches von Dark den Namen “Nemo“ erhalten hatte, folgte dem Paar unauffällig wie immer. Es schien, als würde er keine Gefühle haben, aber Lucy nahm an, dass er sie, auf Wunsch von Dark, versteckt hielt. Lucy hätte zu gerne gewusst, warum sich das Bewusstsein des Jungen geteilt hatte. Aber Dark wollte nicht darüber reden. Wenn sie ihn danach fragte, wechselte er elegant das Thema. Dies gelang ihm stets sehr gut. Dark war ein gewandter Redner. Dies lag wohl daran, dass er ein Prinz war. Adelige waren es gewöhnt, das Volk durch ihre Reden zu beeinflussen.


Im ersten Moment war Gabriel froh, als Luzifer endlich wieder zurückkam. “Konntest du Samiel finden?”

Luzifer versetzte ihm einen Schlag ins Gesicht und er taumelte einige Schritte zurück.

“Wofür war das denn jetzt?”, fuhr er den Todesengel an.

Luzifer zeigte auf Lucy. “Du hast nicht aufgepasst. Deinetwegen befindet sich Lucy in diesem Zustand.”

“Wovon redest du?”, wollte Gabriel wissen.

“Samiel hat sie mit einem Zauber belegt.”, erklärte Luzifer. “Jetzt ist Lucy in einer Traumwelt gefangen.”

Der Schutzengel sah ihn überrascht an. “Wie hast du das herausgefunden?”

Luzifer wich Gabriels Blick aus. “Nun, ich… habe… Mephisto gefragt.”

“Und du glaubst, er sagt die Wahrheit?”

“Wenn die Zahlung stimmt…”

“Wie hast du ihn denn dafür bezahlt?”

“Das tut jetzt nichts zur Sache.”, entgegnete Luzifer knapp.

“Aber da wäre noch ein weiteres Problem: Wir wissen nicht in welcher Traumwelt Lucy gefangen ist. Es gibt nämlich sehr viele Traumwelten. Wir können unmöglich alle absuchen.”, gab der Schutzengel zu bedenken. Luzifer winkte ab. “Überlass das mir. Ich weiß, wo sie gefangen ist. Und nun lass uns Lucy endlich retten.”

Gabriel schluckte. Er fühlte sich nicht wohl dabei, Luzifer zu vertrauen.

Ich sollte besser vorsichtig sein, dachte er. Gabriel kam alles zu einfach vor und er befürchtete, dass irgendwo ein Haken sei.

“Also denn… lass uns gehen.”, meinte Gabriel schließlich und beschwörte das Tor zur Traumwelt.


Lucy ging mit Dark durch den Schlossgarten. Dabei fielen Lucy die vielen verschiedenen Blumen auf.

“Du magst Blumen, nicht wahr, Dark?”, fragte sie vorsichtig. Sie musste sich unbedingt etwas einfallen lassen, um diese Traumwelt zu verlassen.

“Ja, ich finde Blumen wunderschön.”, antwortete Dark und sah seine Begleiterin an. “Aber keine von diesen Blumen ist mit Eurer Schönheit zu vergleichen.”

Lucy sah ihn verwirrt an. “Jetzt übertreibst du aber…”

Sie sah an sich herunter und stellte fest, dass sie plötzlich ein wunderschönes Kleid trug. “Was um alles in der Welt…”

Dark lächelte zufrieden. “Ihr seht so süß aus, wenn Ihr überrascht seid. Und dieses Kleid steht Euch wirklich sehr gut.”

Lucy war sich nicht sicher, was sie von der ganzen Situation halten sollte.

“Sag, Dark, was genau willst du von mir?”, fragte sie.

Dark zog Lucy sanft zu sich heran, sodass die Gesichter der beiden nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren.

“Ich möchte, dass du hier bei mir bleibst und meine Frau wirst.”

Lucy fiel auf, dass er plötzlich aufgehört hatte, so förmlich mit ihr zu sprechen. Und auch sein Blick wurde ihr unheimlich.

“Ist es für eine Hochzeit nicht etwas zu früh?”, sagte eine Stimme hinter ihnen. Die Beiden drehten sich erstaunt um. Lucy erkannte diese Stimme wieder. “Luzifer!”




Kapitel 3
Gabriel sah verwundert den Jungen an Lucys Seite an. “Dieser Junge…”, flüsterte er. “Kann es sein…? Ist das etwa…”

“Ignorier ihn!”, sagte Luzifer. “Wir müssen an Lucy irgendwie rankommen.”

Dies könnte sich als sehr schwierig herausstellen, denn sie waren in einer Traumwelt und diese wird von demjenigen gesteuert, dem diese Traumwelt gehört. Sie hatten somit keine Chance Lucy zu retten. Vorher müssen sie den Träumer dieses Traumes ausschalten.

Dark lachte kalt. “Was seit ihr nur für Narren. Obwohl ihr genau wisst, dass ihr in dieser Welt im Nachteil seit, macht ihr euch unnötige Hoffnungen.”

Gabriel sah ihn erstaunt an. Konnte dieser Junge etwa Gedanken lesen? Oder war das alles von vornherein geplant?

Der Schutzengel blickte zu Luzifer und stellte verwirrt fest, dass dieser keineswegs überrascht war.

Dark packte Lucy am Arm und flog mit ihr davon. “Ich überlasse diese Clowns dir, Nemo.”, rief er, bevor er schließlich verschwand.

“Ich hasse Traumwelten.”, klagte Gabriel. “Denn hier wird alles Unmögliche zur Möglichkeit.”

Nemo ließ ein Schwert erscheinen und richtete es drohend gegen Gabriel. Luzifer schien er Außen vor zu lassen.

“Er fordert dich heraus, Gabi.”, sagte der Todesengel kühl.

“Wie hast du mich eben genannt?! Was erlaubst du dir eigentlich?!”

Gabriel zog wütend sein Schwert und machte sich kampfbereit.

“Ich rate dir, ihm nicht weh zutun.”, sagte Luzifer und ging in die Richtung des Schlosses.

“Und was hast du jetzt vor?”, wollte Gabriel wissen.

“Lucy retten, was denn sonst, du Armleuchter.”

Diese Worte kamen aber nicht von Luzifer, sondern von Nemo.

Der Schutzengel betrachtete ihn irritiert. “Du lieber Himmel! Was hat das nur zu bedeuten?”


Dark zerrte Lucy in eines der Zimmer und schloss die Tür hinter sich ab. “Was soll das? Lass mich doch bitte gehen.”, flehte sie ihn an.

“Ich habe es dir doch schon erklärt.”, erwiderte der Junge. “Ich bin nicht derjenige, der dich hier festhält.”

“Aber wer dann?”

“Das kann ich dir leider nicht sagen. Du bist einfach in meiner Traumwelt, ohne jegliche Vorwarnungen, erschienen. Wer dich hierher geschickt hat, bleibt selbst mir verborgen, Liebes.”

Lucy sah bestürzt zu Boden.

“Aber angenommen du könntest mich gehen lassen. Würdest du es dann auch?”

Dark lächelte. Aber dieses Lächeln wirkte kalt, wie auch alles andere an ihm. Lucy konnte sich seine Antwort auf ihre Frage bereits denken.

“Warum sollte ich?”, entgegnete Dark und ging langsam auf sie zu. “Ich brauche dich, Lucy. Deine Seele ist der Schlüssel für mein verlorenes Glück. Und daher möchte ich, dass du bei mir bleibst.”

Er umarmte sie und flüsterte in ihr Ohr: “Du bist mir wichtig, Lucy. Du weißt ja gar nicht, wie viel du mir in Wirklichkeit bedeutest.”

Lucy zitterte, als Dark ihr wieder direkt in die Augen sah. Sie war sich nicht sicher, ob sie sich vor ihm fürchte sollte.

“Lucy, ich lie…”

Doch er konnte den Satz nicht beenden, denn in diesem Moment wurde die verschlossene Tür mit Gewalt ausgestoßen und Luzifer trat ins Zimmer.

“Wie kommst du hier rein?”, rief Dark überrascht. Der Todesengel streckte die Hand aus. “Gib mir das Mädchen!”

Dark stellte sich schützend vor Lucy und griff nach seinem Schwert.

“Und wenn ich es nicht tue?”

“Dann werde ich dich dazu zwingen.”, antwortete Luzifer und lächelte.

“Lucy gehört nämlich mir, also steht es mir auch zu, sie mitzunehmen.”

Diesmal mischte sich Lucy selbst ein: “Luzifer! Dark! Was geht hier vor sich? Ich verstehe kein Wort von dem, was ihr redet.”

“Keine Sorge, Prinzessin. Ich werde nicht zulassen, dass man dich mir wegnimmt.”, sagte Dark und zog sein Schwert.

Lucy wurde unsicher. Eigentlich müsste sie auf Luzifers Seite stehen, aber etwas gab ihr das Gefühl, ihm zu mistrauen.

Plötzlich gingen beide Gegner aufeinander los. Lucy musste den Kämpfenden mehrmals ausweichen. Sie entschied sich zu fliehen und stürmte aus dem Zimmer. Sie lief den Gang hinunter. Immer weiter. Erschrocken stellte sie fest, dass er nicht enden wollte. Sie war gefangen. Ängstlich blickte sie zurück und dann wieder nach vorn. Beide Wege endeten im Nichts. Verzweifelt versuchte Lucy die Türen zu öffnen. Aber sie waren alle verschlossen.

Weinend brach sie zusammen. Es kam ihr unendlich lange vor bis sie endlich eine sanfte Stimme vernahm.

“Steh auf, Lucy. Es ist alles in Ordnung. Du bist in Sicherheit.”

Sie blickte auf und sah einen Jungen, der ihr seine Hand reichte.

“Nemo, du?”, sagte sie überrascht und ließ sich aufhelfen.

Der Junge lächelte freundlich. “Ja. Bitte verzeih mir.”

“Wofür?”, fragte Lucy verwirrt.

“Ich musste deinen Schutzengel ins Verließ werfen. Er ging mir zunehmend auf die Nerven und ließ mir leider keine andere Wahl.”

Lucy sah Nemo besorgt an. “Aber es geht ihm doch hoffentlich gut, oder?” Der Prinz meinte nur, sie solle sich keine Sorgen machen und nahm ihre Hand. “Komm mit mir. Ich würde dir gerne etwas zeigen.”
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Re: dreamers (ganze story)

Beitrag  Hatsuharu am Sa Sep 26, 2009 3:49 pm

Kapitel 4
Gabriel saß auf dem kalten steinigen Boden und lehnte gegen die Wand. An den Handgelenken war er an die Wand gekettet. Er konnte aus seinem Gefängnis nicht raus und außer Dark oder Nemo konnte ihn auch keiner hier rausholen. Was sollte er nur tun? Er musste doch irgendwie Lucy befreien.

Plötzlich hörte er Schritte. Gespannt starrte er durch die Gitterstäbe hindurch. Obwohl er wusste, dass er sich nicht wehren konnte, waren alle seine Sinne auf das Äußerste geschärft.

“Hier steckst du also.”

Gabriel atmete erleichtert aus. Es war nur Luzifer.

“Klingt nicht gerade so, als hättest du mich suchen müssen.”, stellte der Schutzengel fest. “Du… wusstest, dass ich hier bin, oder?”

“Ich habe keine Zeit, um es dir zu erklären, Gabi-Mäuschen.”, sagte Luzifer ganz lässig und nahm einen Schlüssel von der Wand.

“Hör endlich auf mich zu provozieren! Ehrlich gesagt, frage ich mich, wie ich es geschafft habe, beinahe 700 Jahre mit dir auszuhalten.”

“Und mich würde es interessieren, warum du plötzlich so rot im Gesicht wirst.” Gabriel ignorierte seine Bemerkung.

“Wo ist Lucy?”, wollte er stattdessen wissen. Luzifer zuckte die Achseln.

“Auf alle Fälle dort, wo sie jetzt nicht sein sollte.”


Nemo führte Lucy in einen großen Saal mit vielen Büchern, die fein säuberlich in Regalen angeordnet waren.

“Ist das… eine Art Bibliothek?”, fragte sie erstaunt. Nemo nickte. Lucy fiel auf, dass der Saal irgendwie seltsam wirkte. Sie hatte das Gefühl, dass sich Alles um sie herum drehte. Als ob sie sich plötzlich in einer fremden Dimension befinden würde. Es war dunkel und trotzdem konnte sie alles gut erkennen. Ab und zu hatte sie das Gefühl, dass ein Buch über ihren Köpfen hinweg flog oder sich etwas oder jemand hinter ihnen befand. Nemo nahm lächelnd ihre zitternde Hand und führte sie durch die Gänge zwischen den Regalen. Bereits nach kurzer Zeit verlor sie die Orientierung. Es war wie in einem Labyrinth.

Schließlich kamen sie zu einem Podest, auf dem für gewöhnlich Statuen standen. Aber auf diesem hier lag ein Buch. Es war dunkelblau und hatte silberne Verzierungen. Mit goldenen Buchstaben stand dort: “Tagebuch von Prinz Luzius XIII.”

Lucy drehte sich fragend zu Nemo um.

“Wer ist Prinz Luzius?”

Der Junge lächelte aber sein Blick wirkte traurig.

“Ich.”, gab er nach einigen Sekunden zur Antwort.

Lucy strich sanft über das Buch. “Dann ist ’Luzius’ also dein wahrer Name?”, fragte sie. Aber es war wohl mehr eine Feststellung.

“Finger weg von dem Tagebuch!”

Lucy und Nemo drehten sich erschrocken um.

“Dark!”, rief der junge Prinz. Dark sah ihn und Lucy abwechselnd an. Die Wut war ihm regelrecht ins Gesicht geschrieben. Dann ballte er seine Fäuste. “Wenn du denkst, du könntest fliehen, wenn du mein Geheimnis lüftest, dann irrst du dich.”, sagte er an Lucy gewandt und eine dunkle Aura umgab ihn. “Ich werde es nicht zulassen, dass du mich verlässt. Du gehörst nämlich MIR!”

In diesem Moment strömten Lichtblitze durch den Saal und ein unheimlich starker Wind fegte durch den Saal. Die Regale mit den Büchern lösten sich nach und nach im nichts auf.

Als der Saal leer war und, außer dem Tagebuch auf dem glatten Podest, nichts mehr vorhanden war, erkannte Lucy, die Ähnlichkeit dieses Saals mit einer Kirche. Die Fenster, Wände und auch der Fußboden. Alles war wie in einer Kirche erbaut. Nur, dass eben die Gebetstühle und sonstige Dinge hier fehlten. Lucy erkannte die Verzierungen auf dem Boden. Es war ein Kreuz, welches man für gewöhnlich in jeder christlichen Kirche fand. Das Sonnenlicht schimmerte durch die Fenster und warf die Farben der Mosaikbilder auf den kalten Boden.

Nemo stellte sich schützend vor Lucy und zog sein Schwert. Dark lachte hämisch. “Du willst kämpfen? Diesen Wunsch erfülle ich dir gern.”

Mit diesen Worten zog er ebenfalls sein Schwert. In diesem Moment wuchsen aus seinem Rücken schwarze Flügel. Lucy sah Dark verwirrt an. “Luzifer…”, flüsterte sie mit zitternder Stimme. Aus Nemos Rücken wuchsen ebenfalls Flügel. Aber diese waren weiß.

“Lucy, hör zu!”, sagte er und seine Stimme klang jetzt fester als sonst. “Nimm das Tagebuch und lauf weg! Versuche das Geheimnis dieser Traumwelt zu lösen und dann flieh! FLIEH! Hast du mich verstanden?”

Lucy nickte und nahm das Buch vom Podest.

“Nicht so schnell! So leicht kommst du mir nicht davon!”, rief Dark und flog auf Lucy zu. Nemo wehrte ihn mit dem Schwert ab.

“Beeil dich, Lucy!”

Lucy rannte so schnell sie konnte aus dem Saal. Draußen im Flur hielt sie aber inne. Es bewegte sich alles so merkwürdig und unheimliche Schatten huschten über die Wände. Sicherlich durch den Streit der Beiden, dachte Lucy. Die Traumwelt gerät außer Kontrolle. Sie presste das Tagebuch an sich und lief weiter. Ab und zu verschwanden Türen, sodass sie einen anderen Weg einschlagen musste. An einer Treppe verschwanden plötzlich die Stufen und Lucy rutschte stattdessen nach unten. Als sie endlich unten schreiend ankam, stand sie sofort auf und rannte weiter. Bis sie plötzlich in jemanden hineinlief. Verzweifelt versuchte sie sich von dessen Griff wieder zu befreien, um weiterzulaufen.

“Lucy! Beruhige dich! Wir sind’s doch nur.”

Das Mädchen hob den Kopf und sah erschöpft zu ihrem Schutzengel auf.

“Ga… Gabriel…”, stotterte sie.

“Ruhig. Alles wird gut. Wir sind ja jetzt bei dir.”, flüsterte Gabriel und nahm Lucy in die Arme. Luzifer drehte sich grimmig um. “Sollten wir nicht endlich gehen?”, fragte er und die miese Laune war deutlich aus seiner Stimme herauszuhören. Gabriel ließ Lucy los und die Drei wollte weitergehen, als sie eine Explosion vernahmen.

“Das kam aus der Richtung.”, schrie Lucy aufgeregt und deutete mit dem Finger auf die Treppe ohne Stufen.

“Gut, dann wissen wir jetzt, wo wir nicht hingehen sollten.”, sagte Luzifer. Damit hatte er auch recht. Denn aus der Richtung, in die Lucy gezeigt hatte, kamen jetzt Flammen. Die Wände fielen langsam in sich zusammen und einzelne Gesteinsbrocken fielen auf sie herab.

Ohne zu zögern liefen die Drei los.

Kapitel 5
Als Lucy, Gabriel und Luzifer endlich den Ausgang erreichten und nach Draußen rannten, fiel das gesamte Schloss in sich zusammen. Staub wirbelte auf und als sich dieser wieder legte, waren nur noch Trümmer übrig. Keine Spur von Dark oder Nemo.

“Ob Prinz Luzius jetzt tot ist?”, flüsterte Lucy ängstlich. Luzifer starrte sie entgeistert an. “Woher weißt du von Prinz Luzius?”, fragte er sie und seine Stimme klang drohend. Auch Gabriel sah Lucy überrascht an.

Nervös trat sie einige Schritte zurück und schüttelte den Kopf.

“Ich… ich… also… ich weiß… von nichts… ehrlich…”, stammelte sie unsicher und drückte das Tagebuch mit beiden Händen an die Brust.

Luzifer ging langsam auf sie zu und streckte seine Hand aus.

“Gib mir das Tagebuch, Lucy.”, sagte er und versuchte so ruhig wie möglich zu klingen. Sie sah den Todesengel verwirrt an. Wie konnte er nur wissen, dass es ein Tagebuch war? Er hatte doch nichts von dem Gespräch in der Bibliothek mitbekommen, oder?

Luzifer ging einen weiteren Schritt auf Lucy zu. “Los! Gib es her!”

Bevor Gabriel seinerseits etwas erwidern konnte, erbebte die Erde. Alle drei starrten zu den Trümmern des Schlosses.

Plötzlich flogen zwei Drachen aus diesen Trümmern hinauf zum Himmel, der sich jetzt blutrot verfärbt hatte. Doch nicht nur der Himmel. Alles um sie herum war mit einem Mal verfault. Tiere waren verschwunden und sämtliche Pflanzen waren eingegangen.

Lucy erkannte die beiden Drachen, die sich in den Lüften einander mit hasserfüllten Blicken ansahen. Einer von ihnen war schwarz und hatte leuchtende rote Augen. Der andere war weiß und seine Augen leuchteten hellblau.

Luzifer wankte plötzlich und fiel anschließend auf die Knie. Gabriel sah besorgt zu ihm. “Luzifer! Was ist los?”

“Nichts… es ist… nichts…”, antwortete er, aber seine Stimme klang, als hätte er große schmerzen. Sein Körper flimmerte, als würde er sich auflösen wollen. Lucy machte sich ebenfalls Sorgen. Aber sie traute sich nicht, zu ihm zu gehen. Luzifer machte ihr plötzlich Angst. Warum nur? Was war mit ihm nur los?

Lucy entfernte sich noch ein wenig von Luzifer und Gabriel und kniete sich auf den Boden, der inzwischen sandig geworden war und auf dem kein Gras mehr wuchs. Sie legte das Buch auf ihren Schoß und öffnete es. Das Geheimnis dieser Traumwelt musste in diesem Tagebuch stehen. Lucy schlug die letzten Seiten auf. Wenn das Geheimnis hier drinstehen musste, dann sicherlich irgendwo in den letzten Einträgen, dachte sie.

Also suchte sie sich eine Seite weiter hinten aus und begann zu lesen:


“Mein Vater, der König, liegt im Sterben. Sobald er seinen letzten Atemzug gemacht hat, geht die Krone und der leere Platz auf dem Thron an mich. Aber hat mich jemand gefragt, ob ich es will? Nein! Für meine Bedürfnisse interessiert sich niemand. Und dann soll auch noch diese eingebildete Prinzessin unseres Nachbarlandes meine zukünftige Partnerin sein. Dabei schlägt mein Herz doch nur für Lucia!”


Lucy hielt verblüfft inne. Sie wusste dass der Name Lucia vor langer Zeit innerhalb ihrer Familie gerne weitergegeben wurde. Der Name war nicht nur schön, er hatte auch eine tiefere Bedeutung…

Sie schüttelte den Kopf. Lucia konnte damals jedes Mädchen heißen. Es muss hier nicht unbedingt die Rede von ihren Vorfahren sein. Aber was, wenn doch? Lucy fiel ein, dass ihr vollständiger Name ja Lucy-Lucia Lucrifer hieß. Ein wenig verwirrend, aber auch in ihrer Familie gab es bestimmte Traditionen. Irgendwo stand auch die Notiz neben der Geburtsurkunde: Lucia Lucrifer XIII. Das lag daran, dass in ihrer Familie mehr Söhne als Töchter zur Welt kamen. Und ihr Vater gehörte zu dieser Familie, in der die Mädchen diesen Namen erhielten. Lucy unterdrückte ihre Tränen, bei dem Gedanken an ihren Vater. Doch dann fiel ihr noch mehr auf. Lucrifer! Wenn man diesem Namen das ‘r’ wegnahm, hieß es Lucifer. Und das war nichts anderes, als die andere Schreibweise für…

“Luzifer…”, flüsterte Lucy aufgeregt. “Oh nein… das darf doch nicht wahr sein…” Tränen liefen an ihren Wangen herunter. Sie wischte sie mit dem Handrücken weg und las weiter:


“Morgen soll die Hochzeit stattfinden. Ich will das nicht! Ich werde keine Frau heiraten, die ich nicht liebe! Und wenn es mich das Leben kosten sollte! Oh, meine geliebte Lucia. Ich hoffe, du vergibst mir. Auch wenn ich nicht mehr bei dir sein kann, werde ich dich immer lieben. Niemals werde ich dich vergessen. Ich werde dich für immer in meinem Herzen tragen, welches ich mit meinem eigenen Schwert durchbohren werde. Nur so wird meine Liebe zu dir ihre Freiheit erlangen und zu dir fliegen. Bitte vergib mir.

In Liebe:

Dein Luzius”


Auf der Seite befanden sich noch einige Tropfen eingetrocknetes Blut. Lucy klappte schluchzend das Tagebuch zu. Das war es also. Luzifer hatte sich vor 700 Jahren das Leben genommen und wurde so zum Todesengel. Den Namen Luzifer hatte er sich vermutlich selbst ausgesucht, indem er es von “Lucrifer”, dem Familiennamen seiner heimlichen Liebe, abgeleitet hatte. Man musste nur eins und eins zusammenzählen, dann kam man ganz leicht auf diesen Schluss.

Lucy blickte auf. Durch die Tränen in ihren Augen, konnte sie nur verschwommen etwas sehen. Aber dem lauten Gebrüll nachzuurteilen und von dem, was sie noch erkennen konnte, stellte sie fest, dass die beiden Drachen aufeinander losgegangen waren. Beide spien Feuer und setzten alles in Brand. Mehrmals attackierten sich die beiden gegenseitig mit ihren Krallen und Zähnen.

Lucy richtete sich vorsichtig auf. Sie wusste jetzt, wie sie diese Traumwelt verlassen konnte. Aber dafür benötigte sie Luzifers Hilfe.
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Re: dreamers (ganze story)

Beitrag  Hatsuharu am Sa Sep 26, 2009 3:50 pm

Kapitel 6
Luzifer lag inzwischen zusammengekrümmt auf dem Boden. Er hatte Schmerzen, aber niemand konnte genau sagen wo und warum. Gabriel hockte neben ihm und sah ihn besorgt an. Er wusste dem Todesengel nicht zu helfen.

Lucy kam zu ihnen. Ihre Tränen waren jetzt versiegt und in ihrem Blick lag so etwas wie Entschlossenheit. Sie kniete sich neben Luzifer und legte beruhigend die Hand auf seinen Arm.

“Luzifer. Du musst dich zusammenreißen. Das ist deine Traumwelt, nicht wahr? Diese beiden Drachen sind dein Unterbewusstsein.”, flüsterte sie.

Gabriel sah sie überrascht an. “Dann kämpft er also gerade mit sich selbst? Das würde wohl seine Schmerzen erklären.”

Lucy ging nicht weiter darauf ein, sondern redete weiter Luzifer zu.

“Luzifer, steh auf! Bitte!”, sagte sie nun etwas lauter. “Erinnerst du dich, was du mir vor einem Jahr gesagt hattest? Du sagtest, dass du an mich glaubst. Du hast mir damit sehr geholfen. Ich habe inzwischen mehr Selbstbewusstsein erlangt, weil ich mich stets an deine Worte erinnert habe. Doch ich schaffe nicht alles ohne dich. Ich flehe dich an, Luzius, hilf mir. Bitte. Luzius!”

Der Todesengel richtete sich endlich auf. Er war noch unsicher auf den Beinen, aber er nahm dennoch seine Sense und breitete entschlossen seine Flügel aus.

“Auch wenn es nicht meine Aufgabe ist, werde ich dich dennoch beschützen, Lucia!”, sagte Luzifer und sah das Mädchen lächelnd an.

“Moment mal! Soll ich etwa arbeitslos werden? Was denkst du dir eigentlich?”, regte sich Gabriel auf.

“Entspann dich. In dieser Welt kannst du sowieso nichts ausrichten.”, erwiderte Luzifer und wandte sich anschließend wieder zu Lucy.

“Es tut mir aufrichtig Leid, Lucia. Ich hoffe du kannst mir vergeben. Ich wollte nicht, dass du mir misstraust.”

Lucy schüttelte lächelnd den Kopf.

“Ich würde dir niemals misstrauen, Luzius. Ich glaube an dich. Ich weiß, dass du guten Herzens bist, sogar als Todesengel.”

Luzifer lächelte sanft und Lucy meinte, Tränen in seinen Augen glitzern zu sehen. Als er ihren Blick bemerkte, wandte sich der Todesengel verlegen ab.

In diesem Moment hörten Dark und Nemo auf gegeneinander zu kämpfen. Die beiden Drachen leuchteten plötzlich und lösten sich in tausende kleine Sterne auf. Lucy sah, wie alles um sie herum wieder erblühte und auch die Trümmer des Schlosses verschwanden.

“Luzifer hat sich anscheinend wieder beruhigt.”, stellte Gabriel fest.

“Sieh mal einer an. Ich hätte nicht gedacht, dass du dieses Rätsel so einfach lösen konntest. Respekt, Kleine.”

Lucy und die anderen beiden drehten sich um, als sie die Stimme vernahmen.

“Das… das ist…”, stotterte Lucy.

“Euer schlimmster Alptraum, würde ich mal sagen.”, entgegnete Mann, der niemand geringeres war, als der Todesengel Samiel. Nein. Ein Todesengel war er jetzt nicht mehr. Er besaß weder eine Sanduhr noch eine Sense. Auch seine Flügel bestanden nicht mehr aus Federn sondern waren jetzt lederartig wie bei einer Fledermaus oder einem Drachen. Aber ihre schwarze Farbe hatten sie noch behalten.

“Ich bin jetzt der Teufel Samiel!”, rief er aus und lachte bösartig.

“Was machst du hier?”, fragte Gabriel wütend und zog sein Schwert.

“Eigentlich wollte ich eich zugrunde richten. Ist übrigens ein neues Hobby von mir.”, sagte er locker. “Ich habe immer angenommen, dass Liebe vergänglich sei. Aber jetzt stelle ich überrascht fest, dass sie sogar mehr als 700 Jahre überdauern kann.”, sprach er weiter und grinste dabei hämisch Luzifer an. Dieser umklammerte fest den Griff seiner Sense. Er war bereit sofort auf Samiel loszugehen.

“Neidisch? Ich könnte mir vorstellen, dass du so etwas wie Liebe nie empfunden hast.”, entgegnete Luzifer.

“Stimmt. Mein Herz ist voller Hass. Aber ich liebe es böse zu sein und somit weiß ich also doch, was Liebe ist, oder?”

“Du Heuchler! Was hat das mit Liebe zu tun? Du hast doch überhaupt keine Ahnung!”, schrie Luzifer. Gabriel packte ihn am Arm.

“Beruhige dich, Luzifer! Merkst du es denn nicht? Der Mistkerl versucht dich zu provozieren.”, sagte er.

Lucy trat einige Schritte auf Samiel zu. Dieser sah das Mädchen neugierig an.

“Was willst du, du lausige Göre. Willst du dich ein weiteres Mal mit mir anlegen? Nur zu. Je schneller ich dich los bin, desto besser.”

Samiel ging in Angriffsstellung. Er hatte keine Waffe bei sich, was Gabriel stutzen ließ.

“Ich vermute mal, er benutzt jetzt schwarze Magie.”, sagte Luzifer, als er Gabriels fragenden Blick bemerkte.

Der Todesengel sah lächelnd nach vorne.

“Los, Lucy! Zeig es diesem finsteren Großmaul!”

Gabriel sah ihn schockiert an.

“Was ist denn in dich gefahren? Du kannst Lucy doch nicht solcher Gefahr aussetzen!”

Lucy aber erwiderte den Blick des Todesengels und nickte entschlossen.

“Ich vertraue dir, Luzifer.”, sagte sie, wandte sich wieder zu Samiel und streckte ihre rechte Hand in die Höhe. “Ich bin bereit!”, rief sie und über ihrer ausgestreckten Hand erschien ein Schwert. Lucy griff danach und ging ebenfalls in Angriffsposition. Gabriel folgte gebannt dem Geschehen.

“Hast du es etwa schon vergessen?”, fragte ihn Luzifer grinsend. “Das hier ist meine Traumwelt und ich kann hier machen, was ich will.”

“Aber Lucy kämpft und nicht du.”

“Solange sie meine Befehle befolgt wird alles gut.”

“Befehle? Sprichst du von…”

“…Telepathie? Ja, so sieht’s aus.”

Lucy sah ihren Gegner selbstsicher an.

“Fangen wir endlich an, Samiel. Lass es uns hier und jetzt klären.”

Ein fieses Grinsen umspielte die Mundwinkel des Teufels Samiel.

“Aber sicher doch. Ich mache es kurz und schmerzlos, dann merkst du nichts.”, höhnte er und schleuderte einen schwarzen Magieblitz auf Lucy.

Kapitel 7
Lucy wich Samiels Angriffen geschickt aus, während er immer und immer wieder mit dunklen Blitzen und Energiekugeln auf sie zielte. Luzifer und Gabriel standen nur da und sahen den Kämpfenden zu. Doch im Gegensatz zu Gabriel, wirkte der Todesengel äußerst konzentriert.

“Warum lässt du sie die ganze Zeit über nur ausweichen?”, wollte der Schutzengel wissen.

“Warts nur ab.”, erwiderte Luzifer gelassen. “Noch ist es nicht soweit.”

Gabriel sah ihn misstrauisch an.

“Wenn du Lucy irgendwas antun lässt, dann…”

“Halt den Mund!”, knurrte Luzifer. Du hast doch gar keine Ahnung, wie bedeutsam dieses Mädchen für mich ist, fügte er gedanklich hinzu.

Durch Luzifers kurze Ablenkung, konnte Lucy dessen Gedankengang nicht verfolgen und blieb plötzlich irritiert stehen. Samiel nutzte diesen Augenblick aus und attackierte das Mädchen mit einem schwarzen Nebel. Lucy bekam keine Luft mehr und begann stark zu husten. Gabriel wollte ihr zu Hilfe eilen aber Luzifer hielt ihn zurück.

“Wenn du mich nicht abgelenkt hättest, wäre das jetzt nicht passiert. Wird Zeit, dass ich dich zum Schweigen bringe.”, sagte er.

“Lass mich los, verdammt noch mal! Lucy braucht Hilfe.”

“Ja, aber nicht deine.”, entgegnete der Todesengel und stellte sich so hin, dass er und Gabriel sich direkt in die Augen sehen konnten.

“Gute Nacht, Gabilein.”, sagte Luzifer grinsend und seine Augen leuchteten rot auf. Im nächsten Augenblick fiel Gabriel bewusstlos zu Boden. Der Todesengel ging einige Schritte an dem Liegenden vorbei und warf einen ernsten Blick auf den Nebel.

“Mein Schlüssel…”, murmelte er. “Mein Leben… niemand wird dich mir jemals wegnehmen. Und niemand wird dich verletzen. Du gehörst mir… und nur mir!”

Der Nebel, der Lucy umhüllt hatte, war verschwunden. Verwirrt sah sie sich um. “Luzifer? Was… was ist los?”

Um Luzifer erschien plötzlich eine dunkle Aura, ähnlich wie bei Dark. Schwarze Wolken bedeckten den Himmel und hinter dem Todesengel erkannte Lucy den Schatten eines großen Drachen mit schwarzen Schwingen.

“Dark!”, rief sie erschrocken. Der Drache riss sein Maul auf und setzte mit seinem feurigen Atem alles um sie herum in Brand.

“Was ist denn nur passiert? Warum ist er so wütend?”, wollte Lucy wissen. Doch dann stellte sie fest, dass sie und ihr Gegner vom Feuer umschlossen wurden. Keiner von ihnen konnte fliehen.

“Was soll der Unsinn?”, rief Samiel dem Todesengel zu. “Willst du uns Beide erledigen, oder was?”

Lucy spürte, wie das Schwert in ihrer Hand vibrierte und sah es an. Die Klinge war von einem hellen Licht umgeben. Plötzlich wurde ihr schwindelig. Luzifer war also wieder in ihre Gedanken eingedrungen und kontrollierte ihren Körper. Ohne ihr zutun packte sie mit beiden Händen das Schwert und richtete es auf Samiel.

“Es reicht jetzt, endgültig!”, knurrte Samiel und bündelte seine Magie. “Es wird Zeit, mit der Spielerei aufzuhören”

Mit Hilfe seiner Magie, ließ er ein schwarzes Schwert erscheinen und griff das Mädchen an. “Stirb!”

Lucy wehrte den Angriff mit ihrem Schwert ab. Vor ihren Augen wirkte alles verschwommen. Ein seltsames Gefühl durchströmte sie. Als ob sich Luzifer selbst in ihr befinden würde. Ihr Körper war erschöpft. Sie war einfach keine Kämpferin. Aber Luzifer zwang sie weiterhin, Samiel anzugreifen.

Wenn ich so weitermache, bricht mir das Mädchen noch zusammen, dachte Luzifer. Aber Samiels Fluch lastet noch auf ihr. Und solange dies der Fall ist, kann ich sie aus dieser Traumwelt nicht befreien. Ich muss mir was einfallen lassen, und zwar schnell!

Lucy fiel es immer schwerer sich auf den Beinen zu halten. Als Samiel sie ein weiteres Mal angriff, verlor sie das Schwert aus der Hand und es fiel zu Boden. Erfreut über diesen Anblick, holte Samiel sein Schwert zum entscheidenden Schlag aus.

Lucy schaffte es im letzten Moment auszuweichen, fiel daraufhin allerdings zu Boden. Es ist vorbei, dachte sie verzweifelt. Ich kann mich vor Erschöpfung kaum noch bewegen. Bitte, hilf mir… Luzius…

Samiel sah zu ihr runter.

“Sieht ganz so aus, als wäre es endlich vorbei.”, flüsterte er und lächelte triumphierend.

“Eigentlich schade, ich habe mich schon beinahe an dich gewöhnt.”

Samiel nahm sein Schwert mit beiden Händen und machte sich bereit, mit der Klinge Lucy’s Herz zu durchstoßen.

“Ja… aber nur beinahe!”

Er stieß zu. Aber es war nicht Lucy’s Herz, das er traf. Luzifer hatte sich im letzten Moment zwischen sie und Samiel gestellt. Und nun fuhr die Schwertklinge durch seine Brust hindurch.

Lucy starrte ihn nur von hinten an. Sie konnte kaum fassen, was soeben passiert war.

“Luzifer…”, flüsterte sie. Ihre Stimme bebte. Der Schock lähmte sie vollkommen.

Luzifer lächelte kalt.

“Zu schade…”, sagte er. “…dass ich mein Herz bereits an jemanden verloren habe.”

“Zu dumm, dass du schon tot bist.”, sagte Samiel trocken und zog das Schwert aus Luzifers Körper wieder heraus. Die Wunde schloss sich sofort wieder. So, als wäre nichts passiert.

“Ich, an deiner Stelle, würde mich lieber umdrehen.”, sagte der Todesengel kühl. In diesem Moment wurde Samiel von einem Schwert durchbohrt. Luzifer zuckte die Achseln. “Zu spät.”

Samiel löste sich in einem dunklen Nebel auf und verschwand. Hinter ihm hatte Gabriel gestanden.

“Dasselbe müsste ich eigentlich auch mit dir machen, Luzifer.”, sagte er wütend.

“Eine Engelsklinge könnte durchaus gefährlich für mich werden.”, stellte Luzifer fest. “Aber du würdest mir nie etwas tun, oder Gabriel?”

Der Schutzengel sah ihn überrascht an.

“Du… du hast meinen Namen normal ausgesprochen.”, rief er verwundert.

“Oh, wirklich?”, sagte Luzifer mit einer Spur von Ironie in der Stimme. Anschließend drehte er sich um und hockte sich neben Lucy hin.

“So. Ich kann dich jetzt hier rausholen. Wollen wir gehen?”, fragte er freundlich und reichte dem Mädchen lächelnd die Hand.

Lucy sah ihn aber nur besorgt an.

“Du bist… unverletzt?”

Luzifer überlegte kurz und lächelte dann verlegen.

“Ja. Mir ist nichts passiert.”, sagte er schließlich. “Und nun lass uns in die reale Welt zurückkehren.”

Lucy griff lächelnd nach seiner Hand. Plötzlich hatte sie das Gefühl, von einer Strömung erfasst zu werden. Alles um sie herum verschmolz zu einem bunten Farbspiel. Lucy wurde dadurch so schwindelig, dass sie ihre Augen schloss, um dieses Durcheinander von Farben nicht sehen zu müssen.

Epilog
Irgendwann hatte sie dann das Gefühl auf ihr Bett zu fallen. Sie traute sich aber noch nicht, die Augen wieder zu öffnen. Sie konnte kaum glauben, dass der Alptraum endlich vorbei war. Doch dann hörte sie Stimmen. Jemand war hier im Zimmer, direkt neben ihrem Bett.

“Seit zwei Tagen schläft sie schon durch und wacht einfach nicht mehr auf. Ich weiß nicht, was ich tun soll, Luke.”

“Beruhige dich bitte, Grace. Wir finden eine Lösung. Bestimmt.”

Lucy kannte diese Stimmen. Die erste war ihre Mutter. Und die zweite…

Sofort öffnete sie die Augen und setzte sich aufgeregt auf.

“Papa?” Sie hatte sich zu schnell aufgerichtet und ihr wurde leicht schwindelig. Sie blinzelte ein paar mal und sah anschließend in das verwunderte Gesicht ihres Vaters. “Papa!”, rief sie freudestrahlend und warf sich ihm um den Hals.

“Lucy! Schatz, du bist endlich aufgewacht.”, flüsterte er. “Du bist endlich wach…”

Lucy ließ ihn wieder los und sah ihn an.

“Papa, du… du weinst ja.”, stellte sie fest.

Ihr Vater lächelte und wischte sich die Tränen weg.

“So ein Unsinn.”, sagte er mit einem Hauch von Stolz in der Stimme. “Dein Papa weint nie.”

Lucy lachte. Sie war glücklich. Endlich war sie wieder zurück, und ihr Vater ebenfalls.

Es stellte sich heraus, dass ihre Mutter nicht wirklich vorhatte, sich von ihrem Mann zu trennen.

“Ich war nur verzweifelt wegen Lucy. Ich brauchte einfach etwas Abstand.”, gab sie zu, nachdem sie sich mit Lucy’s Vater ins Wohnzimmer zurückgezogen hatte. Der Vater sagte nichts. Er ging auf seine Frau zu und schloss sie in seine Arme.

Lucy, die dieses Szenario heimlich beobachtet hatte, schloss leise die Wohnzimmertür und lehnte sich an die Wand. Sie lächelte triumphierend und flüsterte ein leises “Ja!”.

Danach ging sie wieder auf ihr Zimmer. Das Fenster stand offen, obwohl Lucy wusste, dass sie es vorhin geschlossen hatte, bevor sie ihren Eltern heimlich gefolgt war.

Glücklich ließ sie sich aufs Bett fallen. Sie wusste, dass jemand in ihrem Zimmer war. Sie konnte es spüren.

“Danke.”, sagte sie leise und setzte sich auf. “Ich danke euch, von ganzem Herzen. Aber vor allem danke ich dir, Luzius.”

“Oh, ich bitte dich. Nenn mich doch weiterhin Luzifer.”, sagte der Todesengel verlegen. “Außerdem war es doch selbstverständlich, dass wir dir helfen.”

Gabriel räusperte sich auffällig.

“Äh… sie kann uns nicht hören.”, sagte er.

“Na und? Dich vielleicht nicht, aber zwischen mir und Lucy gibt es eine ganz besondere Bindung, wenn du verstehst…?”, sagte Luzifer grinsend.

Gabriel seufzte nur. “Wenn du meinst…”


Auf dem Dach der Kirche stand ein noch junger Todesengel. Neugierig betrachtete er die Sanduhr, die er bei sich trug.

“Alles in Ordnung?”, fragte ihn ein Schutzengel, der neben ihm stand.

“Ja, ich denke schon.”, murmelte der Junge. “Ich fühle mich ein wenig… unsicher. Ich habe noch nie zuvor eine Sense in der Hand gehabt, geschweige denn damit einem Menschen die Seele genommen.”

Der Schutzengel nickte und sah ihn gelassen an.

“Das schaffst du schon… Eric...”
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